Eigentlich bin ich ja ganz froh ein Mädchen zu sein. Ich meine natürlich gibt es Momente in denen auch ich mir wünsche ich könnte im Stehen pinkeln oder einfach den Schrank öffnen und mein Outfit springt mir mangels der Auswahl praktisch entgegen, aber müsste ich wählen - ich wäre immer ein Mädchen.
Die einzige Sache die ich sofort eintauschen würde ist mein weibliches Gehirn. Ich will damit jetzt nicht sagen, dass mich das unendliche Wissen oder die weibliche Intuition stört, nein es ist meine Vorstellungskraft die manchmal mehr Belastung als Segen ist.
Im Grunde kennen wir es ja alle. Man lernt einen neuen Typen kennen der einem sofort sympathisch ist. Man trifft sich, lernt sich immer besser kennen, beginnt auch über eine mögliche Zukunft nachzudenken STOP! das ist der Punkt bei dem sich mein Gehirn selbstständig macht. Egal wo ich bin oder was ich gerade mache, Gedanken wie "was wäre wohl wenn wir uns jetzt zufällig über den Weg laufen? wie würde er auf mich reagieren? würde er mich beobachten wenn ich so tue als ob ich ihn nicht sehe?" sind meine ständingen Begleiter. Und auch wenn ich es nur ungern zugebe, es geht sogar noch schlimmer. Jeden Abend vor dem Einschlafen beginnt das unfreiwillige Kopfkino wieder von neuem "ob wir wirklich perfekt zusammen passen? wie würde wohl eine Beziehung ausschauen? würden wir die ganzen Sachen machen, die ich schon immer mal machen wollte? wie wäre es wenn er jetzt gerade bei mir wäre?" blablabla.
Solang alles gut läuft und man sich in der Situation gut fühlt, vielleicht sogar mit einem Lächeln im Gesicht einschlafen kann ist daran ja auch nichts auszusetzen. Aber verschwindet der Typ so schnell aus unserem Leben wie er hineingekommen ist landen wir unsanft am Boden der Tatsachen. Autsch. Dummes Gehirn.
Anscheinend schaffe ich es wirklich, dass ich mich mehr in meine Wünsche und meine Vorstellungen verliebe als in die Person um die sich alles dreht. Die letzten zwei Male in denen mich mein Gehirn dazu gebracht hat höher zu fliegen als es meine eigenen Sicherheitsbestimmungen eigentlich erlauben, bin ich auf den Boden geknallt. Neben den paar blauen Flecken die mein Stolz dabei davon getragen hat, war es aber nicht mein Herz das dabei zerbrochen ist, nein, viel mehr war ich enttäuscht, dass alles was ich mir so schön ausgemalt habe wohl doch nicht zum Kunstwerk wird.
Meine Versuche genau das zu vermeiden und alles mal gaaanz langsam anzugehen scheitern kläglich. Ich kann mir auch gefühlte tausend Mal sagen "dieses Mal nicht!" es wird immer die gleiche Antwort kommen - "hahahahahaha NEIN."
Auch wenn ich diese Vorstellungen und Fantasien eigentlich abgrundtief hassen sollte, sie ja eigentlich hassen will, kann ich doch nicht ganz ohne. Vielleicht sind gerade diese Dinge notwendig, und wenn ich ehrlich bin - ohne mein Gehirn wäre die Zeit in der noch alles funktioniert hat nur halb so schön gewesen! ;-)
Wie denkt ihr dazu?
AL
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